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Mathias Beil Leiter Private Banking

Europa vor USA? Kurzfristiger Börsenjubel, aber strukturelle Unterschiede

Während viele Jahre US-Aktien an der Börse alles andere in den Schatten gestellt haben, liegen in diesem Jahr bislang europäische Aktien deutlich vor US-Aktien: Der S&P 500 notiert aktuell um den Einstandskurz Anfang Januar, der Stoxx Europe 600 dagegen liegt gut 7 Prozent im Plus. Ist nun also die Zeit, Portfolios auf Europa „umzukrempeln“ oder ist es letztlich nur eine Frage von nicht allzu langer Zeit, dass US-Aktien wieder die Oberhand gewinnen? Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank, hält den Abgesang auf US-Aktien für nicht fundiert. 

Ein Marktkommentar von Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Hamburger Sutor Bank: 

„Die politischen Entwicklungen in den USA und Europa zeigen einmal mehr, wie eng verknüpft Wirtschaft, Politik und Kapitalmärkte sind – und wie unterschiedlich die Systeme reagieren. Während die Trump-Administration mit einer sprunghaften, oft unvorhersehbaren Politik große Unsicherheit schürt, bleibt Europa vermeintlich der Fels in der Brandung. Die Ankündigung, Hunderte Milliarden Euro an neuen Mitteln über den Kapitalmarkt zu mobilisieren, hat an den europäischen Börsen kurzfristig Euphorie ausgelöst. Doch diese Entwicklung ist nicht nachhaltig – sie ist ein kurzes Aufblitzen, denn die strukturellen Unterschiede liegen tiefer.

In den USA führen erratische Handels- und Steuerpolitik sowie politische Polarisierung zu wachsender Verunsicherung bei Unternehmen und Konsumenten. Das Vertrauen in planbare Rahmenbedingungen schwindet. Gleichzeitig aber bleibt der US-Markt wegen seiner Deregulierung, seiner Innovationskraft und seiner unternehmerischen Freiheit weiterhin attraktiv. Die Börsen dort haben über Jahrzehnte hinweg in Summe besser performt – trotz oder gerade wegen geringerer staatlicher Eingriffe.

Europa hingegen reagiert mit dem Instrument staatlicher Stimulierung. Die massiven Konjunkturpakete und Investitionsprogramme wirken kurzfristig stabilisierend – und sie werden von den Märkten auch honoriert. Doch diese Reaktion ist defensiv. Sie ersetzt nicht die strukturellen Voraussetzungen, die nachhaltiges Wachstum tragen: technologische Innovationsfähigkeit, flexible Arbeitsmärkte, geringere Bürokratie und ein gründungsfreundliches Umfeld. Ohne diese bleibt Europas Aufschwung fragil.

Daher sollte der aktuelle Börsenaufschwung in Europa nicht täuschen. Er ist Ausdruck staatlicher Hilfen, nicht wirtschaftlicher Stärke. Eine dauerhafte Stärkung gegenüber den USA ist nicht in Sicht. Investoren sollten sich dessen bewusst sein und ihre Gewichtungen in Portfolios nicht überstürzt oder emotional anpassen. Ein temporärer Performance-Vorteil ersetzt keine strukturelle Stärke.

Vielmehr gilt es, langfristige Perspektiven im Blick zu behalten: Wo findet Innovation statt? Wo ist das Umfeld für Unternehmen wirklich wachstumsfördernd? Wo wird Kapital effizient eingesetzt? Die Antworten darauf sprechen weiterhin für eine stärkere Gewichtung US-amerikanischer Märkte – bei aller Kritik an deren politischen Risiken.“

 

 

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