Portrait Mathias Beil

Mathias Beil Leiter Private Banking

Unternehmen verbessern Bilanzstrukturen: Mehr Anleihekündigungen 2026 möglich

Die aktive Steuerung der Bilanzstruktur über vorzeitige Anleihekündigungen hat im Jahr 2025 deutlich an Fahrt gewonnen. Zahlreiche Unternehmen nutzten bestehende Kündigungsrechte, um ihre Finanzierungsstruktur zu optimieren oder sich günstiger zu refinanzieren. „Für Anleger gewinnt damit die Analyse von Kündigungsrechten und Zinsumfeld zunehmend an Bedeutung, da vorzeitige Rückzahlungen unmittelbare Auswirkungen auf Renditeplanung und Reinvestitionsentscheidungen haben“, sagt Mathias Beil, Leiter Private Banking bei der Sutor Bank. 

Im Jahr 2025 machten mehrere Emittenten von Call-Optionen Gebrauch, um ihre Kapitalstruktur zu verbessern oder bestehende Finanzierungen neu auszurichten. So kündigte die SANHA GmbH & Co. KG ihre Unternehmensanleihe 2013/26 vorzeitig. Auch der Fußballclub FC Schalke 04 nutzte im November 2025 die Gelegenheit zur vorzeitigen Rückzahlung seiner Anleihen im Zuge einer Refinanzierung durch eine neue Emission. Im Mittelstandssegment kündigte Homann Holzwerkstoffe seine Anleihe 2021/26 im Juni 2025 zu 101,5 Prozent des Nennwerts. Die Eleving Group löste im Oktober 2025 eine Altanleihe vorzeitig ab, während die Deutsche Lufthansa AG im September 2025 die ausstehenden Wandelanleihen zurücknahm und parallel neue Wandelanleihen mit längerer Laufzeit begab. „Diese Beispiele verdeutlichen die Bandbreite der Emittenten – vom Mittelstand bis zum DAX-Konzern“, sagt Beil. 

Günstigere neue Finanzierungen als Treiber

Die Motive für vorzeitige Kündigungen waren 2025 vielfältig. „Ein zentraler Treiber war die Verbesserung der Bilanzstruktur“, sagt Beil. „Unternehmen nutzten operative Cashflows oder Erlöse aus Vermögensverkäufen, um ihre Verschuldung zu reduzieren und damit Kennzahlen sowie Bonität zu stärken.“ Darüber hinaus spielte die Refinanzierung eine wesentliche Rolle. Nach der Erholung des Anleihemarktes konnten viele Emittenten hochverzinsliche Altanleihen durch günstigere neue Finanzierungen ersetzen.

Technisch basiert die vorzeitige Kündigung auf einer in den Anleihebedingungen festgelegten Call-Option. „Diese ermöglicht es Emittenten, Anleihen zu bestimmten Terminen und zu einem definierten Rückzahlungskurs zu kündigen“, so Beil. „Die Kurse liegen dabei oft zwischen 101 und 103 Prozent des Nennwerts“. Häufig ist die Höhe der Prämie zeitabhängig: Je früher die Kündigung erfolgt, desto höher fällt sie aus. Vor allem im Hochzins- und Mittelstandssegment sind solche Optionen verbreitet, während Investment-Grade-Anleihen mit fester Laufzeit seltener entsprechende Klauseln enthalten. Auch andere Bedingungen sind möglich. 

„Die Südzucker AG etwa kündigte Mitte 2025 eine Hybridanleihe“, so Beil. „Voraussetzung dafür war, dass eine gleichwertige Nachfolgeanleihe in ähnlichem Volumen aufgelegt wurde.“ Diese Bedingung erfüllte Südzucker im Mai 2025, als das Unternehmen über seine niederländische Tochtergesellschaft eine neue Hybridanleihe im Volumen von 700 Millionen Euro begab. Der erste Kündigungstermin dieser Nachfolgeanleihe ist übrigens der 28. Mai 2030.

Sollte sich der Trend sinkender Marktzinsen im Jahr 2026 fortsetzen, ist eine erneute Welle vorzeitiger Kündigungen zu erwarten. „Niedrigere Refinanzierungskosten erhöhen den Anreiz, bestehende Anleihen mit höheren Kupons abzulösen und durch günstigere Finanzierungen zu ersetzen“, sagt Beil. Gleichzeitig bleibt die Optimierung der Bilanzstruktur ein zentrales Ziel vieler Emittenten in einem weiterhin volatilen wirtschaftlichen Umfeld.

Anleger: veränderte Renditeplanung nötig

Für Anleger bedeutet diese Entwicklung, dass Kündigungsrechte, Call-Preise und mögliche Kündigungstermine künftig noch stärker in die Analyse einbezogen werden müssen. „Nicht nur entsteht dadurch Planungsunsicherheit bei Laufzeit und Rendite“, so Beil. „Anleger erhalten zwar ihr investiertes Kapital zurück, verlieren jedoch die künftig erwarteten Kuponzahlungen bis zur eigentlichen Fälligkeit.“ Die ursprünglich kalkulierte Gesamtrendite kann sinken, insbesondere wenn die Anleihe zu einem hohen Kupon erworben wurde und attraktive Zinszahlungen vorzeitig wegfallen. „Zudem gilt: Während sich Unternehmen über niedrigere Kupons freuen, ist es für Anleger genau andersherum“, sagt Beil. „Sie müssen das freiwerdende Kapital wieder anlegen – und erhalten dann weniger Zinsen.“ Die Kündigungsprämien dienen dabei als Ausgleich, ihre Höhe spielt also schon bei der ersten Entscheidung für eine Anleihe eine Rolle. 

„Vorzeitige Kündigungen sind kein negatives Signal, sondern Teil aktiver Finanzsteuerung von Unternehmen“, sagt Beil. „Für Anleger bedeuten sie jedoch eine veränderte Renditeplanung und potenzielles Reinvestitionsrisiko.“ Eine sorgfältige Analyse von Kündigungsrechten und Zinsumfeld wird daher 2026 noch wichtiger – vor allem, wenn sinkende Zinsen eine neue Kündigungswelle auslösen.

Beitrag teilen

Portrait Mathias Beil

Mathias Beil Leiter Private Banking

Schreiben Sie mir

Nutzen Sie unser Kontakt-Formular, um schriftlich mit mir in Kontakt zu treten. Ich freue mich auf Sie!

Kontakt
Goldbarren

Pressemeldung

Mathias Beil Leiter Private Banking

Goldpreis: weiteres Potenzial – trotz Korrektur

(02.02.2026) Gold profitiert derzeit von einer seltenen Kombination aus politischer Unsicherheit, struktureller Nachfrage und geldpolitischen…

Weiterlesen

Pressemeldung

Mathias Beil Leiter Private Banking

Steigende Renditen weltweit – aber US-Treasuries verlieren an Attraktivität

(29.01.2026) Der Vergleich zehnjähriger Staatsanleihen zeigt: Während Renditen in Europa deutlich gestiegen sind, fallen sie in den USA.

Weiterlesen

Pressemeldung

Mathias Beil Leiter Private Banking

Sutor Bank Analyse: Wer 2025 die drei besten DAX-Tage verpasste, verlor mehr als die Hälfte der Rendite

(07.01.2026) Market Timing-Strategien riskant wie nie: Das Verpassen der drei besten Börsentage hätte die DAX-Rendite 2025 mehr als halbiert.

Weiterlesen